Archive for the ‘themen und figuren’ Category

haste ma ne maaak?

2008/11/03

Ich habe mir vor der Einführung des Euro nicht so sehr Gedanken über Umrechnungsprobleme und Preissteigerungen gemacht. Eine meiner ersten Überlegungen war, was denn wohl der Obdachlose macht, der einen oft total erschreckte, wenn er – aus einer dunklen Hausecke heraus oder hinter einem geparkten Lieferwagen hervor – sein maschinengewehrartiges „Makkmakkmakkmakk…“ rausschleuderte (Die Kurzform von „Haste ma ne Maaak?!“).

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der teufel in der bibel. und im landeplatz der engel.

2008/08/17

Wer sagt, der Teufel komme 88 Mal in der Bibel vor? Und wer sagt, die Bibel, genauer gesagt: die Luther-Bibel habe ungefähr 28.000 verschiedene Wörter? Die hier sagen es. Martin Schlederer hat ein Software-Programm entwickelt, das er so beschreibt:

„Dieses Programm zerlegt einen Text in die ihn enthaltenden Worte und zählt diese Worte. Das Ergebnis ist die Anzahl der verschiedenen Worte, die eine Aussage über den Wortschatz eines Textes treffen kann. Des weiteren zählt dieses Programm die Worte in den Textabschnitten(Dichtefunktion). Beispiel: Im Text XY über Berge kommt das Wort ‚Berge‘ im ersten Zehntel am häufigsten vor. Schließlich setzt diese Programm die Häufigkeit eines Wortes in Bezug zum Wortschatz eines Textes. Damit ist der textübergreifende Vergleich von Worthäufigkeiten (=Bedeutungsdichte) möglich. Beispiel: Wie häufig kommt das Wort ‚Frieden‘ im AT im Vergleich zum NT vor ?“

Und am Ende sieht der Text der Luther-Bibel dann so aus. Was das soll?

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thelma & louise.

2008/08/11

Im Landeplatz der Engel tauchen mehrere Filmzitate auf, das wichtigste bezieht sich auf den Film „Thelma & Louise“. Esliefert für Fabian wie für Mirco ein wichtigstes Motiv und Thema, wobei sie sich jedoch beide von dem eigentlichen Film distanzieren, ihn als Frauenkram abtun. Irgendwann taucht die Frage aus: Was ist wirklich wichtig im Leben? Mirco wirft Fabian vor, er habe keine Ideale, keine Wünsche, keine Träume, für die es sich lohnen würde, alles einzusetzen, volles Risiko zu gehen oder im übertragenen Sinne „in den Canyon zu fahren“. Durch dieses Thema zieht sich auch ein heikler Ton, den auch die Frage, ob es tatsächlich eine Lösung sein könnte, mit allen Konesquenzen – bis hin zum Selbstmord. Es bleibt lange offen, wie die beiden Jungen das Ende des Films empfinden, ob es gut oder schlecht ausgeht (genau dieses ambivalente Gefühl haben fast alle Zuschauer zum Schluss). Aber dann findet Fabian eine ganz eigene Interpretation… (dazu später mehr)

Einer meiner Lieblingsdialoge:

THELMA:
You’re a good friend.
LOUISE:
You too, sweetie, the best.
THELMA:
I guess I went a little crazy, huh?
LOUISE:
No… You’ve always been crazy. This is just the first chance you’ve had to really express yourself.

aus: „Thelma & Louise“, Drehbuch von Callie Khouri

Für diejenigen, die den Film nicht kennen (und sich hoffentlich bald die DVD besorgen): Zwei Frau brechen für ein Wochenende aus ihrem Alltag aus. In einem 1966er Thunderbird-Cabriolet machen sich Thelma, die sich bisher immer in die Rolle des hübschen Weibchens ihres rücksichtslosen Ehemannes gefügt hat, und Louise, die sich als Kellnerin durchschlägt, auf den Weg. Schon beim ersten Halt an einer Raststätte passiert es. Thelma will ihren „Ausbruch“ feiern, trinkt und tanzt mit einem Fremden, der schnell die Grenzen, die die Frau ihm steckt, überschreitet. Er versucht Thelma zu vergewaltigen. Louise will ihn davon abbringen, er beschimpft und bedroht die Frauen immer wieder – bis Louise in Notwehr den Revolver gegen ihn richtet und abdrückt.

Aus dem Ausflug wird eine Flucht quer durch die USA, denn Lousie hat schon einmal am eigenen Leib erfahren, dass in den Südstaaten in einem Vergewaltigungsprozess auf das Wort einer Frau nicht viel gegeben wird. Mit jeder Meile, die sie vor der Polizei fliehen, reiten sie sich tiefer und tiefer ins Desaster. Aber sie lernen sich und die jeweils andere auf ganz neue Weise kennen. Am Ende liegt vor ihnen der Canyon, hinter ihnen wartet eine ganze Armada von Polizeiautos.

Callie Khourie gewann mit dem Film den Oscar für das beste Originaldrehbuch.

outtakes. sandra.

2008/08/05

Sandra, die Freundin oder besser: Ex-Freundin von Mirco, hatte in den ersten Entwürfen eine größere Rolle, mit einer eigenen dritten Perspektive. Ich hatte bereits ein komplettes Profil von ihr angelegt. Sie lebte zusammen mit ihrer Mutter in beengten Verhältnissen, sehnte sich nach Normalität, genau wie Fabian und Mirco, aber auf eine ganz andere Weise, auf den ersten Blick fast spießig. Ihre Übersetzung von Normalität heißt Zuverlässigkeit, Geborgenheit, Orientierung – all das, was ihre Mutter ihr nie gegeben hat. Mircos Träumereien von einer Zukunft decken sich in nichts mit ihrer Vorstellung einer realen Zukunft. Vielleicht ist sie nur mit ihm zusammen, um ihrer freakigen Mutter eins auszuwischen. Ein Macho wie Mirco ist dieser ein Dorn im Auge, gerade weil sie sich immer wieder selbst zu solchen Männern hingezogen fühlt…

Nach über 100 Manuskriptseiten erwies sich jedoch immer mehr die Geschichte zwischen den beiden Jungen als die tragende Säule des Buches. Ich machte die ultimative Probe und strich einfach sämtliche Abschnitte, die aus Sandras Sicht erzählt wurde und las den Rest. Es fehlte (bis auf ein paar Details) nichts. Ich fragte meinen Lektor, Stefan Wendel, dem ich diesen Teil des Manuskripts schon gegeben hatte. „Um ehrlich zu sein, sagte er, sie hatte auch keine wirkliche Stimme. Mirco und Fabian haben das, die reißen dich mit.“ Boing. Kill your darlings. Sandra war raus, jedenfalls als eigenständige Erzählperspektive.

Hier ein Schnipsel aus dieser ersten Phase des Schreibens, Sandra erzählt:

Etwas in meinem Rücken plärrte und schepperte als ich die Straße überquerte, aber ich verstand die Worte nicht. Sie drangen nicht durch, nichts konnte in diesem Moment den Weg zu mir finden. Ich hatte Angst, nackte pure Angst. Zum ersten Mal wusste ich überhaupt, was Angst ist. Mirco war Angst. Alles war Angst. Die Dunkelheit. Das Bushäuschen. Ich hatte Mirco schon oft aufbrausend erlebt, es war nicht die erste Prügelei, aber nicht so etwas, so etwas hatte ich noch nie in ihm gesehen. Die brutalen Schläge, die Tritte, die immer heftiger wurden und nur deshalb nicht mehr angerichtet hatten, weil er blind vor Wut war. Blinde Augen, angefüllt mit zornigen und verzweifelten Schreien hatten mich angestarrt, als ich ihn von Fabian weg zerrte. Ich hätte ihm helfen müssen, seine Aussage bestätigen, dass Fabian ihn provoziert hatte, ich hätte lügen müssen, bestätigen, dass es Notwehr war, der andere angefangen hatte. Ich wusste, was es für ihn bedeutete, wenn sie ihn einmal wirklich ins Gefängnis schicken würden. Was er noch nicht kannte an miesen Tricks, an kleinkarierten Betrügereien, an Abzocke, er würde es dort lernen und ein Musterschüler sein.
Ich blieb an der Ecke zur Sonnenstraße stehen. Wir waren nur hierher gezogen wegen dieses Straßennamens. Es war die unsonnigste Straße im ganzen Viertel, fast nur graue Fassaden soweit das Augen reichte, aber Mama musste unbedingt hierher. Nomen est omen. Aber ich war froh, dass wir endlich wieder in Deutschland waren, weg aus diesem Camp mit Freaks und keltischen Schamanen und Schmarotzern, die sich auf unsere Kosten eine Wampe anfraßen. Wahrscheinlich konnten wir uns nur in dieser heruntergekommenen Gegend überhaupt eine Wohnung leisten und Mama redete sich die Sache mit ihrem Kult des Sonnengottes und den ganzen Ritualen und Festen, die sie feierte, bloß schön. Auf jeden Fall ließen sich in unserer Wohnung keine kultischen Meetings zelebrieren und Platz für eine Kelten-WG war auch nicht.
Als ich in die Sonnenstraße einbog, huschte mir etwas über die Füße, wirbelte in einer Schlangenlinie um meine Beine herum und maunzte vorwurfsvoll. Ich begrüßte Kasimir, der sich sofort in den Zotteln meines Mantels festkrallte und mit zwei schnellen Zügen auf meine Schulter huschte. „Hat sie dich wieder vor die Tür gesetzt?“, flüsterte ich ihm zu und schmiegte meinen Kopf an sein feuchtes Fell. Sie hasste ihn, weil er schwarz und sie abergläubig war. Wahrscheinlich hoffte sie, dass er überfahren wurde oder ins Tierlabor kam, wenn sie ihn mitten in der Nacht auf die Straße setzte.
Der Kater war kein Freigänger. Er blieb immer bei mir oder in meinem Zimmer, er war der einzige Tiger, der sich sogar auf dem Weg zum Katzenklo verlaufen konnte. Ich nahm ihn von der Schulter, hockte mich auf die Stufen zum Eingang des Hauses mit der Nummer Zwei und legt ihn auf meine Oberschenkel. Sofort wälzte Kasi sich auf den Rücken und räkelte sich wohlig. Komm schon, krabbel’ mich am Bauch!, sollte das heißen, aber ich spürte wie die Kälte der regennassen Steinplatten an mir hoch zog. Auch der erste Tag im neuen Monat würde nicht den Frühling bringen, keine wärmende, aber noch sanfte Sonne, die die Knospen hervor lockte.
Ich nahm Kasimir auf den Arm und trug ihn die letzten Schritte nach Hause. Nach Hause. Endlich ein zu Hause, hatte ich gedacht, als wir hergezogen waren, endlich ein Haus und keine Camps oder Futonmatratzen, keine bekifften Gurus und kein Unterricht mehr von Frauen in wallenden Kleidern und grau durchsträhnten Mähnen, die längst keine Mähnen mehr waren, sondern schüttere Reste einer vergangen Pracht. Ich hatte schon zwei Jahre bevor es soweit war alle Mondbeschwörungen zur Linderung von Menstruationsbeschwerden beigebracht bekommen. Bei meinem Versuch, den Hauptschulabschluss nachzumachen half mir das nun wenig.
Als ich die Toreinfahrt zum Hinterhof durchquerte, hörte ich sie schon, die kehligen Laute, die beschwörenden Gesänge und das Klingen des Messinggongs, der sonst im Flur hing. Ich blieb im Schatten stehen, trat zur Sicherheit noch einen Schritt zurück, weil die Flammen der Feuer, die sie in drei alten Eisentonnen entfacht hatten, immer wieder aufloderten und ihre gelben Strahlen in den Durchgang warfen. Sie züngelten nach mir, wollten mich umschlingen und hineinziehen in das widerwärtige Geschehen.
In der Mitte des Hofes hatte sie ein keltisches Kreuz mit weißer Kreide gezeichnet, in dessen Zentrum sie mit einem in Felle gehüllten Kerl saß, eng beieinander, ihre Beine um sein Gesäß geschlungen. Ich erkannte Michail, einen arbeitslosen Russen aus dem gegenüberliegenden Block. Er war offenbar zu allem bereit, um an meine Mutter heranzukommen, nachdem seine billige Muskelshow im Unterhemd, mit dem er sich jeden Morgen am Fenster reckte und streckte, nichts gebracht hatte und auch sein Angebot unsere Wohnung zu renovieren nicht.
Außer uns wohnten nur noch die achtundneunzigjährige und fast taube Hausbesitzerin und Herr Kerner im Haus, der von Mamas Glucksen sicher nicht gestört wurde. Er stand garantiert hinter den vergilbten Vorhängen seiner Junggesellenwohnung und tat beim Anblick von Mamas Fruchtbarkeitsritualen Dinge, die ich gar nicht wissen wollte.
Zuerst ganz leise, dann anschwellend erhob sich Mamas Stimme: „Feiere das Fest des wiedererwachten Frühlings. Sonne und Erde gehen eine innige Verbindung ein, das männliche und das weibliche Prinzip des Kosmos schließen den heiligen Bund. Von Jul bis Beltane wuchs der Gott der Sonne zum geschlechtsreifen Jüngling und übernimmt nun wieder die Herrschaft über die Zeit. Göttin des Mondes, fruchtbare Jungfrau schaffe nun Neues mit ihm. Die Natur bricht auf, die Sonnenkraft nährt und stärkt uns. Mangel und Sparen weichen dahin und die Natur versorgt uns aus dem Reichtum ihrer Frucht!“
Ich wäre am liebsten zu ihr gesprungen, hätte die Amulette und Federkränze vom nackten Körper gerissen und in die Feuerfässer geworfen und es ihr ins Gesicht geschrien. Fruchtbarkeit? Nichts mit Fruchtbarkeit, sie hatte sich schon vor Ewigkeiten sterilisieren lassen, kurz nachdem sie mich auf die Welt gebracht hatte, weil sie wahrscheinlich nicht noch einen Klotz am Bein haben wollte, weil sie sich ungehindert auf ihre lächerliche Suche nach der Erleuchtung begeben wollte.
„Geile Show“, flüsterte eine Gestalt in der Dunkelheit hinter mir.

engel. tanz. flow.

2008/08/03

Engel – ein Motiv, das in jedem blitzartig ein Bild erzeugt. Engel spielen im Judentum, Christentum und Islam eine Rolle – als Boten Gottes, Beschützer der Menschen, aber auch als Heerscharen werden sie dargestellt. Luzifer, der gefallene Engel, verkörpert das Gegenbild zum helfenden, schützenden Engel. Menschen finden in Engeln ihre Fürsprecher bei Gott, sie begleiten Menschen als Geistwesen, die nicht unbedingt eine körperliche Form annehmen müssen. Viele Menschen, die sich nicht kirchlich gebunden fühlen, glauben aber fest an den Schutz und die Unterstützung von Engeln.

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten.“ (Psalm 91, 11-13)

Fabian verbindet damit eine starke Kindheitserinnerung, an die wichtigste Bezugsperson in seinem Leben, seine Großmutter. Mehrere Erinnerungsstücke an sie trägt er mit sich herum, die Engelsbildchen, aber auch einen alten Wecker, der ihr gehörte. Ein Wecker, der selbst die Bombenangriffe des 2. Weltkriegs überstanden hat. Die Geschichte, die hinter diesen Wecker steht, hat meine Mutter mir erzählt, die selbst als kleines Mädchen zweimal in Köln ausgebombt wurde. Meine Großmutter konnte sich mit den Kindern, die noch nicht in der „Kinderlandverschickung“ waren, beide Male retten, aber sie verloren alles.

„In der Natur des Menschen wohnen vier Wesen zusammen: ein Hund, ein Schwein, ein Teufel und ein Engel. Alle Charaktereigenschaften entstehen aus jenen vier Gewaltigen.“ (Hamid Al-Ghazâlî, persischer Theologe, Philosoph und Mystiker des 11. Jh. n. Chr.)

Für Fabian haben Engel und der Landeplatz der Engel jedoch noch eine weitergehende Bedeutung, denn sie sind für ihn das Sinnbild der Erlösung von seiner Krankheit. Unter ganz bestimmten Umständen kommt es auch – zumindest für kurze Zeit – zu dieser „Erlösung“. Davon berichten Tourette-Betroffene immer wieder. Es gibt Umstände, in denen die Tics völlig verschwinden. Ein junger Mann berichtete mir genau davon, was Fabian im Club passiert: Während er in die Musik abtaucht, gibt sein Gehirn Ruhe.

 

 „Man weiß erst, ob man einem Engel ins Gesicht gesehen hat, wenn er wieder gegangen ist.“ (jüdische Weisheit)

Das Bild von Leandro Comrie entstand nachdem ich ihm die Geschichte vom Landeplatz erzählt habe. Es stellt den Erzengel Raphael dar, den Engel der Heilung. Im Alten Testament begleitet er im Buch Tobit die Titelfigur Tobias auf seiner Reise und heilt dessen Vater.

Abb.: Ar. Raphael (Erzengel Raphael),
mixed media on paper von Leandro Comrie

Wer in eine (größere) Buchhandlung geht, findet nicht nur ein oder zwei Titel zum Thema Engel, sondern ganze Regale voll. Eine zeitlang habe ich jeden Morgen Engelskarten gelegt, ich habe wissenschaftliche Abhandlungen und natürlich in der Bibel über Engel gelesen, Skulpturen auf dem alten Melaten-Friedhof in Köln berührt und die Augen offen gehalten, vielleicht sieht man ja doch mal einen…

 

101 einflussreiche Leute…

2008/07/31

… die nie gelebt haben. Fabian füllt seinen Kopf mit mehr oder weniger sinnigen Wörtern, Informationen, Listen. Einer meiner Lieblinge davon ist diese Liste, die es tatsächlich gibt. Zusammengetragen haben diese Liste die Amerikaner Allan Lazar, Dan Karlan and Jeremy Salter, die sich selbst als „Rowdy-Philosophen“ bezeichnen. Dass der Weihnachtsmann sich mit Platz 4 kommt begnügen muss, kann selbst eine harte Türsteherin wie Baby erweichen… 😉

Und das sind sie:

1. The Marlboro Man

2. Big Brother

3. King Arthur

4. Santa Claus (St. Nick)

5. Hamlet

6. Dr. Frankenstein’s Monster

7. Siegfried

8. Sherlock Holmes

9. Romeo and Juliet

10. Dr. Jekyll and Mr. Hyde

11. Uncle Tom

12. Robin Hood

13. Jim Crow

14. Oedipus

15. Lady Chatterly

16. Ebenezer Scrooge

17. Don Quixote

18. Mickey Mouse

19. The American Cowboy

20. Prince Charming

21. Smokey Bear

22. Robinson Crusoe

23. Apollo and Dionysus

24. Odysseus

25. Nora Helmer

26. Cinderella

27. Shylock

28. Rosie the Riveter

29. Midas

30. Hester Prynne

31. The Little Engine That Could

32. Archie Bunker

33. Dracula

34. Alice in Wonderland

35. Citizen Kane

36. Faust

37. Figaro

38. Godzilla

39. Mary Richards

40. Don Juan

41. Bambi

42. William Tell

43. Barbie

44. Buffy the Vampire Slayer

45. Venus and Cupid

46. Prometheus

47. Pandora

48. G.I. Joe

49. Tarzan

50. Captain Kirk and Mr. Spock

51. James Bond

52. Hansel and Gretel

53. Captain Ahab

54. Richard Blaine

55. The Ugly Duckling

56. Loch Ness Monster (Nessie)

57. Atticus Finch

58. Saint Valentine

59. Helen of Troy

60. Batman

61. Uncle Sam

62. Nancy Drew

63. J.R. Ewing

64. Superman

65. Tom Sawyer and Huckleberry Finn

66. HAL 9000

67. Kermit the Frog

68. Sam Spade

69. The Pied Piper

70. Peter Pan

71. Hiawatha

72. Othello

73. The Little Tramp

74. King Kong

75. Norman Bates

76. Hercules (Herakles)

77. Dick Tracy

78. Joe Camel

79. The Cat in the Hat

80. Icarus

81. Mammy

82. Sindbad

83. Amos ’n‘ Andy

84. Buck Rogers

85. Luke Skywalker

86. Perry Mason

87. Dr. Strangelove

88. Pygmalion

89. Madame Butterfly

90. Hans Beckert

91. Dorothy Gale

92. The Wandering Jew

93. The Great Gatsby

94. Buck (Jack London, The Call of the Wild)

95. Willy Loman

96. Betty Boop

97. Ivanhoe

98. Elmer Gantry

99. Lilith

100. John Doe

101. Paul Bunyan

Um es hier auch noch einmal zu sagen: Nicht jeder mit Tourette hat auch solche Zwänge oder Sonderbegabungen wie Fabian. Das Krankheitsbild ist von Person zu Person sehr unterschiedlich, oft sehr diffus (weshalb auch heute noch Fehldiagnosen vorkommen) und sehr unterschiedlich ausgeprägt. Einige haben nur sehr wenige, unauffällige Symptome, andere leiden unter sehr starken motorischen und vokalen Tics. Mehr Informationen unter hier und auf den verlinkten Websites.

kettensäge im herz. mircos nöte.

2008/07/28

Carmen spricht in ihrem Kommentar die „Kettensäge“ an, eine Stelle im Buch, die viele sehr drastisch finden, an der der raue Mirco aber den Leserinnen und Lesern sehr nah rückt. Die Kettensäge ist eine Bild, das Mirco in der ihm eigenen Art nutzt. Er weiß nicht so recht, wie er seine Gedanken und Gefühle nach außen tragen soll, aber wir erleben ihn ja mit einer Flut davon. Reden ist nicht seine Sache, sagt er am Anfang, aber manchmal drückt es in ihm, genau wie es in Fabian drückt und sich dann auch auf eine Weise entlädt, die er nicht kontrollieren kann. Mirco kann das auch oft nicht.
Die Kettensäge steht für ein ganz wichtiges Thema im Landeplatz: Für die Dinge, die wir nicht kontrollieren können, die sich selbständig machen, neben denen wir (oft) hilflos stehen und sie geschehen lassen müssen. Das kann sehr unterschiedliche Formen haben, die in ihrer Entstehung vielleicht nicht viel gemein haben: Depressionen, unkontrollierbare Wut, eine körperliche Krankheit, Tourette – aber dagegen auch ganz “schlicht” erscheinende Gemütsverfassungen. Brennende Eifersucht, Liebeskummer, Neid. Damit will ich solche Gefühle keineswegs mit einer Krankheit wie Tourette in eine Reihe stellen und das Syndrom sozusagen “verniedlichen” oder herunterreden, ganz und gar nicht. Aber es ist durchaus ein Vehikel, um einem nicht Betroffenen die Sache ein klein wenig näher zu bringen. Du machst den entscheidenden Unterschied in deinem letzten Satz.
Ich habe einmal mit einem HIV-Infizierten gesprochen und ihn gefragt, was denn am schlimmsten für ihn daran sei, dieses Virus in sich zu tragen. Er sagte: “Nicht mehr die Kontrolle zu haben, etwas in mir zu haben, das sich letztendlich meinem Einfluss entzieht. Ich kann es vielleicht mit starken Medikamenten eine gewisse Zeit unterdrücken, aber dann bin ich eben von denen abhängig.”
Mir ging es sehr darum mit dem Buch auch zu zeigen, dass Menschen mit und Menschen ohne eine sichtbare “Andersartigkeit” in ihrem Fühlen oft gar nicht soweit voneinander entfernt sind. Darin steckt natürlich auch, dass die Reaktionen der anderen oft das eigentliche Problem ist, nicht die Erkrankung als solche. Manch einer hat vielleicht einfach nur verdammt viel Glück gehabt, dass seine eigene “Kettensäge” nicht durch Tics nach außen getragen wird.

angels landing.

2008/07/27

Ich habe den Platz gefunden, an dem die Engel landen. Im Zion Nationalpark im US-Staat Utah findet sich ein Felsvorsprung, der den Namen Angels Landing trägt. Dieser Ort hat tatsächlich die Form einer abgeflachten Rampe aus Stein, am Ende einer sich weit dahinstreckenden Schlucht. Wer dort einmal gestanden hat, kann sich gut vorstellen, wie dort ein Engel mit breiten Schwingen zur Landung ansetzt. Wer es schon bis zum Grand Canyon, dem etwas unfreiwilligen Ziel von Thelma und Louise geschafft hat, sollte sich den Abstecher in den Zion Nationalpark gönnen.

Ich war da, stand dort, mit dieser Aussicht. Ein magischer Augenblick, Gefühle, die auf der sechswöchigen Autoreise durch Kalifornien, Arizona, Utah und Nevada von nichts übertroffen wurde. Außer vielleicht von dem Durchfall, den ich mir mit einem Truthahnsandwich an einer Tankstelle mitten in der Wüste Nevadas eingefangen habe. Angels Landing und Shoshone/Nevada, so hieß die Tankstelle mit Motel und drei Häusern, werde ich nie vergessen. Der Landesplatz hat es nun in eines meiner Bücher geschafft, über zehn Jahre später. Shoshone muss noch warten, aber wer weiß?


warum ein romanheld mit tourette-syndrom?

2008/07/20

Was hat dich am Tourette-Syndrom (TS) interessiert?
Warum muss sich Fabian, eine der Hauptfiguren mit Tourette herumschlagen?
Ich wollte nicht, dass sich jemand mit dem Tourette-Syndrom herumschlagen muss, es war gerade umgekehrt. Diese – von vielen Betroffenen als „Schluckauf im Gehirn“ bezeichnete – Krankheit hat mich fasziniert und ich wollte eine Ausdrucksform dafür finden. So wuchs Fabian in mir heran. Tourette ist ein schwer fassbarer Vorgang, der die Hirnforscher noch immer vor eine Menge Rätsel stellt. Eine „kleine“ Fehlschaltung mit weitreichenden Auswirkungen. Tourette zeigt, wie schmal der Grad ist, auf dem wir wandern. Nur eine minimale Abweichung und wir finden uns auf der Seite wieder, die viele als nicht normal, behindert bezeichnen, mit allen Problemen die daraus erwachsen. Aber das Buch ist kein Buch über Tourette, dafür ist der zweite Held der Geschichte, Mirco, viel zu wichtig und zu stark. Beide schlagen sich damit herum, dass es nicht oder schwer beeinflussbare Dinge in ihnen gibt, die sie zu etwas Besonderem machen, die ihnen aber auch Steine in den Weg legen, Steine, an denen sie sich stoßen, Steine über die sie vielleicht stürzen werden.
Im Rückblick erkenne ich jedoch auch, dass TS mir schon häufiger begegnet ist, ich vermute es jedenfalls. Tourette ist für den Laien oft nur schwer eindeutig zu „erkennen“, eben weil es so viele Ausdrucksformen hat (SYNDROM!) und auch leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden kann und auch weiterhin wird (was zu großen Problemen für die Betroffenen führt. Irgendwann begann ich, mich darüber zu informieren und mich mit den Vorgängen im Gehirn, die zu Tourette führen, zu beschäftigen. Es ist eine gleichermaßen schwierige wie faszinierende Materie. Was dann den Ausschlag gibt, einen Roman dieser Art zu beginnen? Ich weiß es nicht. Ich habe sehr schnell gemerkt, warum sich dieser Aufgabe bisher kaum ein deutscher Autor gestellt hat. Einer der wichtigsten Romane, in dem Tourette eine Rolle spielt, ist übrigens „Motherless Brooklyn“ von Jonathan Lethem. Absolut lesenswert, sprachlich und erzählerisch anspruchsvoll und ein spannender Krimi dazu. Allerdings ein völlig anderes Konzept als der „Landeplatz der Engel“.