warum ein romanheld mit tourette-syndrom?

Was hat dich am Tourette-Syndrom (TS) interessiert? Warum muss sich Fabian, eine der Hauptfiguren mit Tourette herumschlagen? Ich wollte nicht, dass sich jemand mit dem Tourette-Syndrom herumschlagen muss, es war gerade umgekehrt. Diese – von vielen Betroffenen als „Schluckauf im Gehirn“ bezeichnete – Krankheit hat mich fasziniert und ich wollte eine Ausdrucksform dafür finden. So wuchs Fabian in mir heran. Tourette ist ein schwer fassbarer Vorgang, der die Hirnforscher noch immer vor eine Menge Rätsel stellt. Eine „kleine“ Fehlschaltung mit weitreichenden Auswirkungen. Tourette zeigt, wie schmal der Grad ist, auf dem wir wandern. Nur eine minimale Abweichung und wir finden uns auf der Seite wieder, die viele als nicht normal, behindert bezeichnen, mit allen Problemen die daraus erwachsen. Aber das Buch ist kein Buch über Tourette, dafür ist der zweite Held der Geschichte, Mirco, viel zu wichtig und zu stark. Beide schlagen sich damit herum, dass es nicht oder schwer beeinflussbare Dinge in ihnen gibt, die sie zu etwas Besonderem machen, die ihnen aber auch Steine in den Weg legen, Steine, an denen sie sich stoßen, Steine über die sie vielleicht stürzen werden.
Im Rückblick erkenne ich jedoch auch, dass TS mir schon häufiger begegnet ist, ich vermute es jedenfalls. Tourette ist für den Laien oft nur schwer eindeutig zu „erkennen“, eben weil es so viele Ausdrucksformen hat (SYNDROM!) und auch leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden kann und auch weiterhin wird (was zu großen Problemen für die Betroffenen führt. Irgendwann begann ich, mich darüber zu informieren und mich mit den Vorgängen im Gehirn, die zu Tourette führen, zu beschäftigen. Es ist eine gleichermaßen schwierige wie faszinierende Materie. Was dann den Ausschlag gibt, einen Roman dieser Art zu beginnen? Ich weiß es nicht. Ich habe sehr schnell gemerkt, warum sich dieser Aufgabe bisher kaum ein deutscher Autor gestellt hat. Einer der wichtigsten Romane, in dem Tourette eine Rolle spielt, ist übrigens „Motherless Brooklyn“ von Jonathan Lethem. Absolut lesenswert, sprachlich und erzählerisch anspruchsvoll und ein spannender Krimi dazu. Allerdings ein völlig anderes Konzept als der „Landeplatz der Engel“.

Eine Antwort to “warum ein romanheld mit tourette-syndrom?”

  1. Thomas Berg Says:

    Schon mal jemand was von ‚Basshunter‘ gehört?

    Das ist ein schwedischer ‚Popstar‘, der auch Tourette hat und damit auch offen umgeht.

    Guckt mal hier!

    http://only-basshunter.ag.vu/jonas_altberg.html

    Man kann sich ja über Musik streiten. Mein Fall ist das nicht.
    Aber auch er bringt viel positive Öffentlichkeit zu dem Thema.
    Genau wie der ‚Landeplatz der Engel‘.
    Und das ist super!!!

    Also warum kein Romanheld mit Tourette-Syndrom?

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